Monday, July 28, 2008

Zwei Wochen FERIENLAGER, ähh... Tandemsprachkurs bitte!

Meine Motivation sank gegen null, als ich mich Sonntag vor zwei Wochen zum Tandemsprachkurs nach Piekary (kleines Dorf bei Krakau) aufmachte. Nun sollte also mein letzter Urlaub fuer einen Polnischsprachkurs draufgehen, für den ich mich sowieso nur aus schlechtem Gewissen angemeldet hatte und mit der sicheren Ahnung, der Kurs würde nicht zu Stande kommen, da Teilnehmer fehlten. Pustekuchen! Der Kurs fand statt - und zwar mit mir.
Ich musste relativ schnell feststellen, dass die anderen Teilnehmer und Teamer meine Motivationslosigkeit nicht teilten sondern um ein vielfaches durch eine unglaubliche Energie übertrumpften, von der ich mich schnell anstecken ließ.
Unsere Gruppe bestand aus polnischen und deutschen Teilnehmer, bunt zusammengemischt aus allen Altersgruppen (18 bis geschätzte Ende 50). Am Vormittag hatte jede Ländergruppe erst einmal für sich Sprachkurs (die Polen also Deutschunterricht und wir Deutschen Polnisch). Ganz konkret sah das in meiner Gruppe so aus, dass wir 2 Wochen lang nur Grammatik gemacht haben. Aaaaaaaaaaaahhhhh und ich kann euch sagen... die polnische Grammatik ist nichts für Warmduscher! (Nur so als Beispiel: im Polnischen gibt es für fast jedes Verb eine perfekte [dokonany] und imperfekte [niedokonany] Form, die sich nicht unbeding ähneln müssen und die desswegen auswendig gelernt werden müssen um sie dann je nach Situation richtig anwenden zu koennen... von den sieben verschiedenen Fällen möchte ich hier lieber gar nicht anfangen zu erzählen) Nach dem Mittag ging es dann weiter in gemischten Gruppen um im deutsch-polnischen "Tandem" Fragen zu diskutieren oder Zungenbrecher zu lernen.
Neben den Möglichkeiten zum Sprachenerlernen hatten wir aber noch jede Menge anderes Programm, allen voran tägliche "Energizer-", "Icebreaker-" und "Warm-up-" Spielchen. Abends stand fast immer gemeinsames Singen auf dem Plan und ich weiß nun, dass die Toten Hosen und die Ärzte einige ihrer Lieder auch auf polnisch veröffentlicht haben. Auch an Kulturellem und Sportlichem hat man uns nichts vorgehalten. Neben zwei Besuchen in Krakau (bei denen natürlich auch die örtliche Kneipenszene untersucht werden musste), sind wir außerdem zum Wandern in die hohe Tatra gefahren.
Als ich am letzten Samstag aufstand um meine Sachen für die Heimfahrt nach Oswiecim zu packen, brach meine Mitbewohnerin Ania in Lachen aus. Ich hatte lauter blaue Linien in meinem Gesicht. Einige der Jungs waren in der letzten Nacht durch die Zimmer gegangen und hatten alle Schlafenden mit Filzstift angemalt. Der Schulleiter Bogusław hatte dabei geholfen ein Auto eines Teilnehmers vollständig in Klopapier einzuwickeln. Das alles hat mich doch stark an meine Ferienlagerzeit erinnert...
auch der Abschied war nicht ganz tränenfrei und es steht der Plan sich doch so bald wie möglich wieder zu treffen. Dann wird aber wirklich nur noch auf Polnisch geredet! :-)



Fotos (nicht alle von mir aufgenommen!) findet ihr in der Gallerie!

Saturday, July 12, 2008

Gerade hier und fast schon wieder weg...

Meine Freiwilligenzeit in Polen neigt sich dem Ende zu. Die Sommermonate rasen nur so davon und sind ausgefüllt mit Urlaub, Besuch, viel Arbeit und einem 2-wöchigen Tandemsprachkurs. Der beginnt morgen und findet in Piekary (bei Krakau) statt. In einer deutsch-polnischen Gruppe wollen wir die jeweils andere Sprache besser kennenlernen und gleich praktisch im Gespräch anwenden. Ich bin schon sehr gespannt und werde euch einen ausführlich Bericht in zwei Wochen zukommen lassen (vielleicht auf Polnisch :-). Bis dahin genießt den Sommer! Wir hören uns!

Friday, June 27, 2008

In Erinnerung an Henryk Mandelbaum



Am 17.06.2008 ist Henryk Mandelbaum verstorben. Er galt als letzter Überlebender der Häftlinge des Sonderkommandos, die in den Gaskammern Birkenaus arbeiten mussten.
Henryk Mandelbaum betrachtete es als seine persönliche Pflicht so vielen Menschen wie möglich seine Geschichte zu erzählen. Ich habe selbst an einem dieser vielen Gespräche teilgenommen (siehe Blogeintrag vom 26. Oktober) und erlebt, wie bewegend Herr Mandelbaum seine Geschichte erzählt und an uns junge Menschen appeliert, nicht zu vergessen und vor allem unsere Gegenwart friedlich zu gestalten.

Wir, die wir seine Geschichte kennen, stehen in der Verantwortung sie weiterzuerzählen!


Hier findet ihr eine ausführliche Biografie und einen Zeitungsartikel der taz über H. Mandelbaum.

Tuesday, June 10, 2008

Es sollte einfach nicht sein...

Das letzte Wochenende war mein letztes freies Wochenende fuer die naechsten vier Wochen (Thomas faehrt in den Urlaub, desswegen muss ich Sonntags arbeiten). Desshalb wollte ich zusammen mit Marianna einen Wochenendausflug machen. Lest selbst, was daraus geworden ist (aus Mariannas Rundmail):


Am Freitag habe ich dann Franzi in Krakau getroffen und wir wollten
gemeinsam weiter fahren nach Niedzica zum Zelten. Niedzica ist
eine kleine Stadt in den Bergen und bekannt für einen großen
Stausee, den es dort gibt. Franzi hatte ihr Zelt dabei und gut
ausgerüstet sollte es losgehen. Mit einem großen öffentlichen
Bus sind wir dann zunächst nach Nowy Targ gefahren, wo wir
umsteigen mussten. Leider kam der erste Minibus einfach nicht
und wir mussten noch eine Stunde auf den nächsten warten. Nun
gut, endlich konnte es also losgehen. Der Busfahrer wusste
allerdings nicht so Recht wohin wir eigentlich wollten, aber ein
paar nette ältere Damen haben uns dann geholfen.

Am Campingplatz angekommen, es hat übrigens aus Eimern
gegossen, stellten wir fest, dass das Zelt noch im Bus lag,
der schon längst hinter dem nächsten Hügel verschwunden war.
Was blieb uns anderes übrig als uns maßlos zu ärgern und
ein Zimmer zu buchen? Die arme Franzi war völlig fertig, dass
ihr schönes Zelt einfach weg war.

Nun möchte ich erstma zwei polnische Phänomene erklären.

Das erste sind die Minibusse:
Weil ich diese kleinen Busse in Polen kennengelernt habe, schicke ich
euch mal ein Bild mit, damit ihr euch vorstellen könnt, wie diese Dinger
aussehen. Das ist übrigens ein ganz edles Modell, die meisten sind
etwas heruntergekommener. Diese Busse sind nicht öffentlich,
sondern ganz privat geleitet. Es gibt verschiedenste Anbieter und es
ist kaum nachzuvollziehen zu wem welcher Bus bzw. welche Linie
gehört. Versucht euch jetzt mal vorzustellen wie anstrengend es
erstmal sein kann sich eine Busverbindung rauszusuchen (zum Glück
ist Franzi da schon Profi), aber dann noch den Bus mit dem Zelt
ieder auftreiben? Unmöglich...

Das zweite Phänomen ist die polnische Hilfsbereitschaft. Immer wieder
kommt es vor, dass man mitten in der Stadt, im Bus oder auf dem
Bahnhof nicht so ganz weiß wohin man gehen soll oder es sprachlich
nicht ganz leicht ist. Fast immer findet sich jemand und bietet sich auch
von ganz allein an zu helfen. Ich versuche mir manchmal vorzustellen wie
in Deutschland eine ähnliche Situation ablaufen würde und bin mir sicher,
dass die meisten Leute verärgert wären über "den Ausländer, der die
Sprache nicht kann". Mir persönlich hat man schon oft geholfen und
auch von vielen Gruppen höre ich positive Resonanz.


Jetzt aber weiter in der Geschichte... Das Zelt war weg und wir ein wenig
unmotiviert,weil aus auch noch die ganze Zeit regnete und man nicht
nach draußen gehen konnte. So beschlossen wir, frustriert wie wir waren,
am nächsten Morgen gleich wieder abzureisen. Und dann passierte das
Unglaublichste. Wir gingen zur Bushaltestelle, der nächste Buss sollte
in 20 Minuten kommen. Wir waren allerdings nicht besonders
optimistisch. Plötzlich kam ein kleiner Bus angefahren, hielt an. Der
Fahrer lächelte uns zu und während wir einstiegen deutete er nach
hinten auf das Zelt. Es war der gleiche Bus und der gleiche Fahrer
-er war unser Held :-)

Leider haben wir von den Bergen und unserem geplanten
Campingwochenende nicht viel gehabt, aber immerhin sind wir mit
Zelt und sehr erleichtert wieder nach Oswiecim zurück gefahren.